" Gilles Hüske " Ein Heiligenhäuschen in Grefrath

Ein Bericht von Manfred Birk

Das im Süden von Grefrath gelegene, kleine, und im Volksmund nur "Gilles Hüske" genannte Heiligenhäuschen, hatte schon bessere Zeiten erlebt. Seit vielen unzähligen Jahren war es Wind und Wetter ausgesetzt und litt unter der zunehmenden Materialzersetzung. So sahen es auch einige Mitglieder der hiesigen St. Antonius Schützenbruderschaft 1628 Grefrath e.V. Sie wollten ein Stück Grefrather Heimatgeschichte erhalten und so packten Sie im Jahre 1999 "die Sache" an.

Nachdem entsprechende Genehmigungen eingeholt wurden, begann man mit der Restauration. Sie beinhaltete neben einem neuen Anstrich und ein neues Türgitter mit Verglasung auch eine aus Holz geschnitzte Figur des Heiligen Antonius. Am 20. November des gleichen Jahres weihte Pfarrer Johannes Quadflieg unter Teilnahme der Bruderschaft und interessierte Mitbürger das Heiligenhäuschen neu ein. Für die kommende Pflege erklärten sich einige Schützen aus der Altersriege bereit.

Seitdem sind 17 Jahre vergangen und die Bruderschaft war einstimmig der Meinung, dass es wieder mal an der Zeit wäre, Hand anzulegen. Das Heiligenhäuschen erhielt einen neuen Anstrich, Pflastersteine wurden verlegt, die rund um das Häuschen angelegte Buchenhecke wurde geschnitten und die in der Zwischenzeit angeschaffte Sitzbank überarbeitet. Wie damals, so konnte auch jetzt Pfarrer Johannes Quadflieg am Vereinsbaumfest - Samstag, 24. September 2016- einen Segensspruch aussprechen.

vor der Sanierung

nach der Sanierung

Doch woher kommt der Name " Gilles " eigentlich?

In unmittelbarer Nähe zum Heiligenhäuschen befand sich ein Vierkanthof mit einem Weiher, den die Grefrather " Gilles-Hoaf" und " Gilles-Waier" nannten. Den Hof und die dazu gehörigen Ländereien bewirtschaftete aber seit Anfang des 19. Jahrhunderts ( ab 1818 ) die Familie Kempges. Nahe liegend wäre gewesen, wenn man den Hof " Kempges-Hof " genannt hätte, was auch hier und da der Fall war.

Vor Kempges waren es meist Pächter oder vom Besitzer bestimmte Personen. In den letzten Jahrhunderten taucht dabei ein Name immer wieder auf: Gelis. In einem Geldrischen Lehnsregister ist nachzulesen, dass sich der Hof 1420 in Besitz "Gelis Rinkfelt von Süchteln" befand. Danach (1462) wird der Hof und Besitz von der Familie Wachtendonk übernommen, die mit Rinckfelt von Süchteln verschwägert waren.

Der Original Text lautet:

Die Thynsgoede gelegen in den Kerspel van Greuerade tot Gelresche Leensrechte ontfangen by Gelis Rinkfelt anno 1420. Idem van Suchtelen ontsengt die laetgoede in den Kerspel van Greuerade anno 1425. Elsken Huysfrau Wolters van Wachtendonk Grue hares vaders Gelys voorn ontsengt die Laten tot Greurade met allen heuren tobehoren anno 1462.

In den darauf folgenden Jahren werden in Verbindung mit "Abgaben" in verschiedenster Form ( Zinsgüter, belehnt, zentpflichtig ) u.a. die Namen Jan op Gelishof (1547) oder nur Gelis - Hof ) aufgeführt. Die adelige Familie derer von Gelis, ursprünglich aus Süchteln stammend, wurde in Grefrath mit "Gelis von Greveroyde" betitelt. Das Bestätigt auch ein erhaltenes Siegel aus dem Jahre 1401.

Im Laufe er Zeit hat sich im Sprachgebrauch aus Gelis = Gilles entwickelt. So ist es auch zu verstehen, dass wir bis auf dem heutigen Tag den Namen "Gilles - Hüske " verwenden.

Wie alt ist nun das Heiligenhäuschen?

Da es sich nicht um eine Kirche, Kapelle oder ein sonstiges größeres Bauwerk handelt, werden wir es auch auf keiner Landkarte finden. Wir sind wieder auf Bücher "aus der alten Zeit" angewiesen.

So ein Buch ist z.B. das Leibsgewinsbuch aus dem Jahre 1662. In ihm sind die Erträge und Abgaben von Ländereien und Besitzgüter aufgeführt. Es zählt die Größe und die Lage des Besitzes auf und was der Pächter dafür zu bezahlen hat.

Da es zur damaligen Zeit keine Straßennamen gab, wurde die "Ortslage" kurzerhand umschrieben.So zum Beispiel: " am Heiligen Kirchweg, Unserliebenfrauenweg, auf dem Hubecker Bruch, Baumgarten am Dorfgraben oder Haus an der Niers.

Unter all diesen Bezeichnungen wird auch folgendes erwähnt: 3 Morgen am Pastors Heiligenhäuschen mit 27 Heller.

Das ist ein eindeutiger Beweis dafür, dass es das Heiligenhäuschen schon 1662 gegeben haben muss. Vermutlich hat es der damalige Pastor Peter Gottfried Klee ( Dienstzeit von 1637 - 1669 ) aus Dankbarkeit um 1650 bauen lassen. Es wurde bei dem Überfall der Hessen auf Grefrath ( 1642 ) gefangen genommen und kam nach dem westfälischen Frieden von 1648 wieder frei. Vielleicht auch für das Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648). einer der schlimmsten Konflikte der Menschheitsgeschichte, als Hoffnungszeichen für die kommende Zeit. Der Standort des Heiligenhäuschens wurde nur wenige 100 Meter entfernt vom Wohnsitz des Pfarrers, dem Pfarrhof ( auch Wedemhof oder Pastoratshof genannt ) gewählt. Zwischen den beiden Bauwerken soll es eine direkte, fußläufige Verbindung gegeben haben.

Eine Umgemeindung des Gilles (Kempges ) Hofes von Süchteln nach Grefrath erfolgte im Jahre 1935. Mitte der 1980er Jahre wurde er abgerissen. Das Heiligenhäuschen, das lange unter dem Schutz eines mächtigen, alten Eichenbaumes stand, blieb "Gott sei Dank" erhalten.

Grefrath, im Oktober 2016